Alle
Religionen beziehen sich auf drei Grundfragen der hilfesuchenden, beobachtenden,
Erklärungen suchenden, denkenden und empfindenden Menschen in allen
Kulturen:
oWie
entstand alles?Welche Kräfte
verursachten die Schöpfung?Vor
allem aber, welche Kräfte lenken die Naturphänomene und das Schicksal?Welche
Kräfte können uns Menschen helfen oder schaden, oder welche Kräfte
richten uns?Was wird aus uns wenn
wir sterben?Warum gibt es das Böse
und das unverdiente Leid? – Daraus ergibt sich die Vorstellung von Göttern
oder dem einen Gott und von einem Jenseits.
oWie
kann der Mensch die Gunst jener göttlichen Kräfte erwirken, sie
zumindest nicht erzürnen, richtig leben?Was
ist gut für den Menschen?Welch
Verhaltensregeln oder Gesetze ergeben sich daraus für
den Menschen.
oWarum
sind wir da?Wonach sollen wir eigentlich
in dieser Welt trachten, nachdem vorrangig zumindest einmal unser Überleben
und Grundbedürfnisse abgesichert sind?Verläuft
die Schöpfung, vielleicht auch unser eigenes Leben, nach einem Plan?Das
ist die Frage nach dem Sinn und Weg der Existenz und des
menschlichen Lebens.
DieFragen
nach Gott und dem Jenseits:
Es
hat schon immer zwei, oft miteinander gekoppelte Wege gegeben, wie die
Menschen Wissen um Gott gesucht oder gefunden haben:
*Eingebungen,
Visionen, intuitives Erkennen, „Offenbarungen“
*Beobachtung
der Schöpfung – der Welt, wie sie ist, und des Schicksals, wie es
abläuft.
Alles
kreative Denken des Menschen ist kombinatorisch (siehe Aufsatz „Creative
Thought“ von H.S.).Ausgehend von
dem Gelernten oder vorher Erkannten werden aus neuen Erkenntnissen oder
Beobachtungen und eigenem Denken immer komplexere und höhere Begriffe
und Gedankensysteme aufgebaut.Auch
Religionsstifter bringen höhere oder unterschiedliche Lehren je nach
ihren eigenen kulturellen Voraussetzungen, Erkenntnissen oder Eingebungen.Jeder
Religionsstifter oder Theologe weist aber auch auf Beobachtungen der Natur
– der Schöpfung und des Schicksals – hin, oft selektiv, um seine Lehre
zu bestätigen.Auch Christus
tat das.
Anhänger
einer religiösen Lehre weigern sich oft, über die Lehre des Religionsstifters
hinaus weiter zu denken oder zu beobachten und so die Lehre weiterzubilden.Bei
einigen Religionen gibt es aber “Reformationen” oder neue, weiterführende
Lehren.
Jede
Theologie muß zu fünf grundsätzlich unterschiedlichen Fragen
nach Gott Stellung nehmen:
*Die
Frage nach der Urschöpfung, dem Entstehen der Existenz in die wir
hineingestellt sind, die Frage nach der Urkraft, nach Gott als dem Schöpfer
*Die
Frage nach dem Ablauf der Naturereignisse und der Welt, der Evolution,
vor allem auch die Frage nach dem Verlauf des Schicksal, die Frage nach
dem aktiv lebendigen, weiterwirkenden Gott [1]
*Die
Frage nach der Anrufbarkeit Gottes um Hilfe in Not oder in Dank, nach der
Erreichbarkeit Gottes, nach dem persönlichen, Anrufe beantwortenden,
gnädigen Gott.
*Die
Frage ob und wie Gott den Menschen richtet, die Frage nach dem richtenden
Gott und damit die Frage nach dem Jenseits.
*Die
Frage nach dem Bösen, Nutzlosen und dem Leid in der Welt, dessen Ursprung
und Sinn, die Frage nach Gottes Toleranz des Bösen, Nutzlosen
und des Leides, die Frage der „Theodizee“.[2]
Gott,
Der Schöpfer:
In
der judeo-christlichen Lehre gibt es nur einen Gott, ohne Ursprung oder
Anfang, der aus freiem Willen und ohne bekannten Grund oder Zweck die Welt
einmal so schuf, wie sie jetzt ist.
Der
weiterwirkende Gott:
Die
Bibel sah die einmal geschaffene, natürliche Welt als statisch an.Durch
Auslegung (Exegese, Hermeneutik) der 7-tägigen Schöpfungsgeschichte
hat die Theologie eine schwache Akkomodation mit der naturwissenschaftlichen
Entwicklungslehre eröffnet.Die
Bibel sagt nichts darüber aus, ob oder inwieweit Gott die Naturereignisse
bestimmt und in die Weiterentwicklung des Kosmos, der Erde, oder die Evolution
der lebenden Natur eingreift.Die
Bibel sagt auch nicht, ob Gott eine Weiterentwicklung etwa nur den einmal
von Ihm geschaffenen Naturgesetzen und dem in der Schöpfung ja wohl
auch vorgesehenen Zufall (zumindest in der atomaren Unschärfe) überläßt.
Auch
nach der biblischen Lehre greift Gott aber öfters in den Ablauf des
Schicksals ein.Dieses geschieht
meist, um zu bestrafen, zu belohnen oder zu retten – ganze Völker
betreffend oder nur einzelne Individuen oder Familien – gelegentlich auch
in Beantwortung von Gebeten.So sieht
die Bibel Katastrophen oder schwere Schicksale als den Menschen auferlegte
Strafen für Verschuldungen oder als Prüfungen zur Bewährung
an (von Sodom zu Hiob und bis zu den Märtyrern).Gutes
und Wohlergehen werden als Gnade Gottes oder als Belohnung gesehen.
Natürlich
wird das im praktischen Leben auch von Christen meist anders gesehen, wo
man den ungünstigen Zufall oder das erlittene schlechte Verhalten
anderer Menschen für sich selbst als unverschuldetes Leid empfindet
oder naturgesetzlichen Abläufen und unzureichendem eigenen Verhalten
zurechnet.Gewinn rechnet man dann
aber auch als unverdientes Glück an oder als sich aus der Lage und
der eigenen Handlung oder Leistung ergebend.Damit
ändert sich die Lebenshaltung von einem passiven Akzeptieren des Schicksals
aus der Hand Gottes zu einem aktiven, selbstverantwortlichen Eingreifen
und Gestalten des eigenen Lebensweges.
Der
persönliche, gnädige Gott:
Dem
christlichen Glauben folgend, wird Gott als liebender Vater gesehen und
kann von jedem jederzeit angerufen werden.Hilfe
wird in Aussicht gestellt.Gott beantwortet
aber selten die Anrufe wörtlich, reagiert aber sehr wohl von Fall
zu Fall auf einige Anrufe, auf viele andere aber nicht.
Die
Bibel berichtet allerdings nur von der Anrufung Gottes durch die Juden
– später durch die Christen – und nur von Antworten Gottes an diese.Es
ist in der Bibel wohl angenommen, daß die Nicht-Juden oder Nicht-Christen
ihre eigenen Götter anrufen – oder rufen und flehen sie alle ungehört
ins Leere?
Diese
biblische Darstellung der selektiven persönlichen Verbindung Gottes
zu den Menschen verlangt schon auf unserer “global” und multikulturell
werdenden Erde eine theologische und religions-historische Klarstellung,
Erweiterung oder Richtigstellung (wann hat Gott zu wem auf Erden gesprochen),
erst recht in Vorbereitung auf ein Weltraum-bezogenes religiöses Denken.Es
ist wohl nicht haltbar, daß Gott in den Jahrtausenden menschlicher
Entwicklung (und den Jahrbillionen der Weltraumentwicklung) nur zu den
Juden des Alten Testaments (und zuletzt zu Christus oder Paulus) auf nur
gerade dieser Erde gesprochen habe. [3]
Der
richtende Gott und das Jenseits:
Die
Christliche Lehre (und nicht nur diese) sieht jeden Menschen als von Natur
aus moralisch nicht perfekt, fehlerhaft und im christlichen Sinne sündig
an.So sieht die Christliche Lehre
das Leben primär als eine Bewährungsprobe.Am
Ende des Lebens steht das Gericht Gottes.
Wegen
der menschlichen Fehlerhaftigkeit müßte so zwangsweise eine
Verurteilung jedes Menschen erfolgen.Die
Bibel zeigt nun zwei unterschiedliche Wege aus dieser Lage heraus.Zum
einen kann der gütig-liebende Gott-Vater gnädig verzeihen.Zum
Anderen verlangte es aber den Opfertod Jesu Christi, um die Sünden
der Menschen zu kompensieren, als ob Gott sonst nicht verzeihen würde.Zum
Erreichen der verzeihenden Gnade Gottes sind Glaube und gute Werke der
Menschen verlangt – nach der Meinung vieler Christen nur der Glaube.
Der
Richtspruch Gottes führt zu einem ewigen Leben im “Himmel” oder der
“Hölle” oder einem vorübergehenden Aufenthalt im “Purgatorium”.
Damit
liegt die Bedeutung des göttlichen Gerichtes nicht nur in der anerkennenden
oder ablehnenden Beurteilung der individuellen Glaubenshaltung und Lebensführung,
sondern vor allem auch in der Kompensation des Lebens auf Erden durch ein
Leben im Jenseits.Wer hier unschuldig
gelitten hat, kann dann im Himmel große Freuden erwarten.Wer
hier im Bösen ein genüßliches Leben führen konnte,
wird in der Hölle ewig dafür büßen.
Das
Böse, das Leiden und das Nutzlose in der Welt:
Warum
geht es guten und unschuldigen Menschen oft so elend auf dieser Erde?Warum
geht es bösen Menschen oft unbestraft so gut auf dieser Erde?Wie
kann man das mit dem Bild Gottes als eines gütigen Vaters vereinigen?Wenn
nicht aus Gottes Hand, woher kommt dann das Böse und das Leiden in
dieser Welt?
Der
christliche Glaube und andere Religionen erklären das Böse mit
einer zweiten, Gott entgegengesetzten, auch transzendentalen Kraft.Wenn
nicht ein anderer Gott, so ist dies zumindest ein abtrünniger Engel,
der Luzifer, der Teufel.Ihm ist Macht
auf dieser Welt gegeben, den Menschen Prüfungen aufzuerlegen und den
Bösen unter ihnen Vorteile in ihrem Leben zu verschaffen.Werden
die Prüfungen bestanden, winkt dem Menschen aber reiche Kompensation
im Jenseits.Unterliegt der Mensch
den Versuchungen und genießt die Früchte des Bösen, werden
schwere Strafen im Jenseits folgen.
Dieses
Bild bezieht sich vor allem auf moralische Versuchungen im Leben.Es
erklärt aber nicht, warum schon Kleinkinder körperlich und psychisch
leiden und sterben, warum Jugendliche durch Mißgeburt, Krankheit,
Unfall oder seelische Mißhandlung schwer leiden müssen und viele
alte und schwache Menschen nicht nach ihren Verdiensten, sondern nach statistischer
Wahrscheinlichkeit (und fast nach Willkür) durch einen qualvollen
Tod enden müssen.Es erklärt
auch nicht den Tod vieler Millionen im Holocaust, von wohl 40,000 Menschen
(meist Frauen, Kindern und Alten) bei der Bombardierung Dresdens, von den
vielen unschuldigen Opfern von Terroristenanschlägen und von allem
andere, was jährlich und täglich die Welt erschüttert.Das
Reden von „auferlegten Prüfungen“, der Notwendigkeit der Buße,
und des „Zeichens“ für andere Menschen versagt hier, egal ob es sich
bei dem furchtbaren Leiden um Christen, Juden oder Menschen handelt, die
nie von Christus gehört haben.
Eine
theologische Erklärung des vorzeitigen Ablebens wertvoller Menschen,
der sinnlosen Zerstörung kultureller Werte (über eine eventuelle
Bestrafung der beteiligten Menschen hinaus) oder der großräumigen
Zerstörung in der Natur, vor allem in den großen Auslöschungen
der geologischen Zeitabläufe [4],
aber auch in den vielen Ereignissen, die auch in unseren Zeiten beobachtet
werden können, fehlt ebenfalls.
Das
Gesetz:
Welch
Verhaltensregeln oder Gesetze gelten für den Menschen, um die Gunst
jener Kräfte, die die Schöpfung und das Schicksal lenken, zu
erwirken, sie nicht zu erzürnen, richtig zu leben?
Die
Religionen aller Kulturen empfehlen Opfer an die Götter, um diese
günstig zu stimmen oder zu versöhnen.Diese
Opfer an die Götter werden dann im Laufe der Geschichte in Opfer an
den Tempel, letztlich an die Priester oder Mönche umgestaltet.So
war es auch in der christlichen Kirche.Das
Opfer wird schließlich im Lauf der Geschichte als sozialer Beitrag
zu einer menschlichen Gesellschaft oder als moralische Entsagungs- und
Disziplinübung umgedeutet.
Gleich
wichtig wie die Opfer wurde das Ritual, von den Priestern gestaltet und
überwacht,meist deren Anwesenheit
verlangend.Es ist interessant, wie
in allen Religionen das Ritual – die vorgeschriebene Bewegung, Kleidung
und Handlungsfolge – zum wesentlichen Bestandteil des Menschlichen Bemühens
wird, den Göttern oder dem einen Gott zu gefallen.
Auch
das Ritual wurde zum Teil in eine moralisch interpretierte Selbstdisziplinübung
uminterpretiert, sei es das Knien oder sich auf den Boden werfen, sei es
das Kleidungsstück auf irgendeiner Stelle des Körpers tragen
oder gerade auch nicht (Hut, Schal oder Schuhe).
Zu
den Vorschriften für Opfer und Rituale kommen bei allen sich entwickelnden
Religionen Reinheitsvorschriften und die Vorschriften für das Verhalten
der Menschen untereinander hinzu.So
entsprechen die in einer Kultur anerkannten Tugenden dann immer dem Wunsch
einiger ihrer Götter oder dem Auftrag des einen Gottes.Deshalb
erfreut das tugendhafte Leben diese Götter, das untugendsame erzürnt
sie.Darin liegt der Übergang
der Religion von einem Opfer- und Ritualkult in eine die Gesellschaft und
deren Gesetze gestaltende Kraft.
Dazu
wurden auch noch die von den Priestern für das Zusammenleben der Allgemeinheit
als notwendig oder empfehlenswert gesehene Gesetze als von den Göttern
gewünscht ausgegeben, siehe die Zehn Gebote.Das
mag grundsätzlich daran gelegen haben, daß man das eigene Erkennen
von guten „Ideen“ für solche Gesetze in früheren Zeiten als göttliche
Eingebung empfand, wie ja das Erscheinen von Ideen im eigenen Denken
für viele Menschen auch heutzutage noch etwas Mysteriöses ist.Es
mag aber auch ganz einfach sein, daß man (wie auch in antiker Literatur
oft zu finden) durch Zuschreibung der Autorschaft der Gesetze an einen
Größeren, an den Gott, größere Wirkung und eigene
Geltung erreichen wollte (siehe Entstehung des 5. Buches Moses, des „Deuteronomiums“ [5]).
Die
jüdisch-christliche Lehre sieht ihre Gesetzesgrundlage in den Zehn
Geboten, die die Verehrung Gottes und ein praktisch tolerables Zusammenleben
der Menschen untereinander festlegen.Die
Zehn Gebote enthalten keine karitativen Hinweise.Die
über die Zehn Gebote hinausgehenden Gesetze der Bücher des Alten
Testaments sind entweder weitere Ausbildungen der gegebenen Grundgedanken
des menschlichen Zusammenlebens oder sind praktisch-hygienisch oder ritualistisch
und darin zeitgebunden oder willkürlich.Erstere
wurden von Christus menschlich weiter erhoben und auf das Wesentliche geführt,
letztere wurden von den Christen bei der Einbeziehung der Heiden vieler
Kulturen in den christlichen Glauben als überwunden erklärt und
abgelegt.
Die
christliche Lehre betont die Nächstenliebe, die Ablehnung von Macht,
Reichtum und Genuß, und das Befolgen des Sinnes der Gesetze und nicht
nur des Buchstabens derselben.Mit
der Betonung der Nächstenliebe und der Beachtung der sanftmütigen,
barmherzigen, eines reinen Herzens, friedfertigen, armen und leidenden
Menschen vor den Reichen und Mächtigen erhebt sich die christliche
Lehre über das Denken ihrer Zeit und zeichnet sich vor allen anderen
Religionen aus – einen Durchbruch der kulturellen Entwicklung der menschlichen
Zivilisation bringend.Damit eröffnet
die christliche Lehre dem menschlichen Denken und Empfinden eine sich über
das praktische Zusammenleben erhebende, neue Dimension und neue Werte
– und auch neue Widersprüche mit dem praktischen Leben.Damit
steht aber nicht mehr das Opfer an die Götter und das Ritual im Mittelpunkt
der religiösen Praxis, sondern, außer dem demütigen Gebet
an Gott, der Mitmensch und das Empfinden.
Die
moderne Ethik (oder Moralphilosophie) ist als Zweig der Philosophie die
praktische Nachfolgerin der Gesetzes- oder Morallehre der Religion.In
der heutigen Aussage ist die Moralphilosophie nach Renaissance, Reformation
und Aufklärung entstanden.Der
Verwurzelung im göttlichen Willen enthoben, sucht die Ethik eine rationale
Begründung ihrer Lehre.Sie findet
sie im „Nutzen“ für die Gesellschaft und für den Einzelnen oder
in dessen „Glück“.Dabei
fehlt eine vertiefte Analyse, was das menschliche Glück [6]
eigentlich ausmacht, und wie die vielen Dimensionen desselben gegeneinander
abgewogen werden können. [7]
Das
Nutzen-Denken brachte eklatanten Mißbrauch (wie etwa bei den Nazis,
aber nicht nur bei diesen).Neue Theorien
(siehe Rawls) versuchen, durch Umkehr des Nutzendenkens auf Minimierung
des Risikos für die Schwächsten derartigen Mißbrauch zu
vermeiden und verlangen die Unverletzbarkeit jedes menschlichen Lebens.Das
kann den Unterprivilegierten und Unterdrückten Schutz geben, aber
läßt nicht nur eine Bewertung der bei allen Menschen bestehenden
Hoffnungen und Aspirationen außer Acht, sondern auch große
Gebiet menschlichen Lebenswertes im Emotionellen und Kulturellen.
In
der philosophischen Ethik fehlt auch die eindeutige Lösung des Dilemmas,
ob die Regeln der Moral für alle menschlichen Handlungen gelten oder
ob sie durch die moralische Bedeutung eines erwarteten Ergebnisses oder
erreichen eines Zieles außer Kraft gesetzt werden (siehe in letzter
Zeit die Rechtfertigung des Terrorismus im Kampf um Freiheit oder Folter
und Tötung von vielen Unschuldigen, um erwartete, größere
Terroranschläge zu vermeiden).
So
bleibt das Verlangen nach absoluten, menschlich akzeptablen Richtwerten
der Moral für das persönliche Leben, das Familienleben, das Verhalten
der Industrie und der Regierungen.Fragen
des Gewissens oder des menschlichen Empfindens bleiben bei der akademisch-intellektuellen
Ethik-Philosophie aber unbeantwortet, wobei die akademische Psychologie
das Emotionale auch jeweils auf Kausalität oder neuerdings auf ursprünglichen
Zweck in der Evolution hinterfragt.
Wesentlich
bleibt somit für die Religionen unserer Zeit – und wird im Laufe der
globalen Entwicklung auf Erden immer wichtiger – die Formulierung von (gottgefälligen)
Verhaltensregeln mit Gültigkeit für die Menschen aller Kulturen
(siehe Hans Küng’s Schriften).Dabei
zeigt sich, daß sich die Regeln des Verhaltens gegenüber Gott
(auch das Ritual) immer mehr verlieren und die Regeln des Verhaltens gegenüber
den Mitmenschen in den Vordergrund treten.
So
werden die religiösen Gesetze schließlich eine Richtschnur für
das Wohlergehen der Menschen auf Erden (mit lediglich einem Blick über
die Schulter, ob Gott sich genügend geehrt fühlt).In
der Praxis bezieht sich die Sorge um das Wohlergehen dabei oft vor allem
auf die Menschen der gleichen Nation, ethnischen Gruppe oder Religionsgemeinschaft,
erst im übertragenen Maß auch auf alle anderen Menschen, nicht
aber auf die jeweiligen Feinde, die mit Sanktionen, Schikanen und Terrorismus
oder Foltern bedacht werden, seien es politische Gegner oder benachbarte
Stammesgruppen im Territorialstreit (siehe Mittlerer Osten).
So
stehen die religiösen Gesetze dann in einer gewissen und zunehmenden
Parallelität zu den politischen, vor allem sozialpolitischen Richtlinien
und Regeln des Zusammenlebens der Menschen untereinander.Damit
erhebt sich die Frage, ob die Menschen bei zunehmender politischer Reife
in ihrer gesellschaftlichen Regelung letztlich auf dieselben Gesetze kommen,
wie die Hochreligionen, oder wer von wem lernen muß oder wo Differenzen
bleiben werden oder müssen.Eine
globale, multikulturelle Gesellschaft wird sich ja auch von dem Bezug der
empfohlenen Verhaltensgesetze auf die Aussagen nur einer speziellen Gottheit
oder einer einzelnen Religion lösen wollen.
Die
zunehmend sichtbaren Probleme des Wohlfahrtsstaates und der internationalen
Hilfe zeigen praktische Grenzen der alten religiös-idealen Morallehre
auf.Wer nicht selber etwas leisten
will und sich diszipliniert, wird nun weniger unterstützt.Diese
Grenzen der Nützlichkeit der Hilfe werden auch von der praktischen
Psychologie oder Pädagogik im zwischenmenschlichen Verhalten aufgewiesen.Eltern
wird etwa empfohlen, ihren Kindern auch Entsagungen zuzumuten, um daran
zu reifen.Eltern von Aussteigern
oder Süchtigen wird geraten, diese erst einmal in einen Tiefpunkt
geraten zu lassen, wo sie sich selbst zu helfen beginnen und vorher Hilfe
zu versagen.
Wenn
man einmal soweit ist, besteht die Gefahr, daß bei der Auslegung
des Spruches “liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst” der Willkür
oder der jeweiligen Mode der Politik oder Psychologie Tür und Tor
geöffnet sind.Als Christ
will man aber weder eine Welt der rohen Nützlichkeitslehre noch der
jeweiligen Mode in Politik oder Psychologie.So
sucht man die Grundlage für eine Welt der warmen Menschlichkeit und
des Gutes-Tun in einem einfachen Fundamentalismus der alten Religionslehre.
Im
Maße wie das moderne Denken zunimmt, nimmt der Glauben an eine alles
bestimmende Lenkung durch die Hand Gottes ab.Damit
findet sich aber der Menschen mit der Verantwortung zu persönlichem
Einsatz und mit der persönlichen Verantwortung für die Folgen
des eigenen Wirkens.
Das
religiöse Gesetz, die Morallehre und die Ethik-Philosophie sind im
Wesentlichen auf die menschlichen Schwächen und Problemlösungen
ausgerichtet.Nur sekundär sind
sie auf die Steigerung von Nutzen, „Glück“, Lebensqualität oder
das Erreichen eines persönlichen Potentials oder das der Gesellschaft
ausgerichtet, wie es sich im Leben ergeben könnte.So
gibt es keine religiöse Gesetzesausrichtung oder Ethik Vorstellung,
die die Förderung der Stärken und Fähigkeiten der Menschen
zum Ziel hat (lediglich die staatliche Schulpflicht) oder die Wahrnehmung
von Chancen und Möglichkeiten in der persönlichen oder gesellschaftlichen
Evolution oder Entwicklung in der Zeit (letzteres dem freien Markt überlassend).Erst
moderne Staaten beginnen Zielvorstellungen und Strategien für deren
Erreichung von ihren intellektuellen oder politischen Führern (wie
schon seit einiger Zeit von ihren Business Executives) zu verlangen.Schließlich
ist ja auch die Erziehung unserer Kinder bis zum Studentenalter derartig
ausgerichtet, das heißt auf Förderung der Stärken und Fähigkeiten,
sowieWahrnehmung von Chancen und
Möglichkeiten.Gibt es hier
etwas nachzuholen bei der Entwicklung des religiösen Denkens und der
Theologie?
Der
Sinn oder Plan der Existenz und des menschlichen Lebens:
Warum
sind wir da?Hat die Existenz in
dieser Welt einen göttlichen Plan als Grundlage?Lenkt
Gott unser eigenes Leben nach einem Plan?Wonach
sollen wir eigentlich in dieser Welt trachten, nachdem zumindest einmal
unser Überleben abgesichert und unsere Grundbedürfnisse erfüllt
sind?
Die
jüdisch-christliche Lehre gibt keinen Grund an, warum Gott die Welt
schuf oder was Gott mit der Welt vorhat oder bezweckt.Es
heißt nur, daß Gott mit der Schöpfung zufrieden war.Damit
kann man eigentlich nur sagen, daß die gesamte Schöpfung,
einschließlich uns Menschen, lediglich zur Freude Gottes da ist.
Da
die jüdisch-christliche Lehre keine Evolution der Schöpfung kennt,
kann man auch von keinem Ziel einer Weiterentwicklung der Schöpfung
oder der menschlichen Kulturen sprechen.Die
kirchliche Lehre sieht in der Hinwendung der Menschheit auf Gott
und in der letztlichen Erlösung durch Christus für ein ewiges
Leben im Jenseits einen göttlichen Plan für die Menschheit
als ganzes und für jeden Einzelnen.
Wonach
sollen wir in dieser Welt trachten?Dem
Menschen wurde weder bei der Vertreibung aus dem Paradies noch irgendwo
später in der Bibel ein Auftrag zur zivilisatorischen Entwicklung
oder persönlichen Entfaltung erteilt.Die
christliche Lehre spricht nur von der Zukunfts-Erwartung des Paradieses
oder des „Ewigen Jerusalems“, das heißt einer besseren Welt in der
Zukunft, etwa nach apokalyptischen Katastrophen.Die
jüdisch-christliche Lehre gibt lediglich einige Hinweise auf eine
menschliche Lebensführung in Form von Anweisungen, wie wir zu leben
haben.Dazu findet man folgende Aussagen:
In
diesen Aussagen geht die Theologie immer von der Heiligen Schrift aus.Die
Wissenschaft geht in ihrer Methodik aber immer von Beobachtungen aus.Warum
kann oder sollte die Theologie nicht auch relevante Beobachtungen von Gottes
Schöpfung und der Geschichte in ihr Denken einbeziehen?
Die
bekanntesten Basaltablagerungen von derartigen Ereignissen sind die „Deccan
Traps“ in Indien, die eine Fläche von der Größe Frankreichs
bedecken, an einigen Stellen über 1,500 Meter dick sind und mit der
Auslöschung der Dinosaurier in Zusammenhang stehen.Gleichbedeutend
waren die „Siberian Traps“, die mit der Auslöschung der Ära der
Trilobiten in Zusammenhang stehen.Die
Palisaden am Hudson bei New York und die Basalte am Columbia Fluß
in den USA sind kleinere derartige Ausflüsse.Die
bedeutendsten Basaltausflüsse geschahen an den Stellen und zu der
Zeit, wo Kontinentalplatten auseinander strebten und sich damit Ozeane
erweiterten oder sich neue Ozeane bildeten – wobei die Art und Richtung
des Zusammenhanges von Ursache und Wirkung nicht bekannt sind.
Man
kann mit Sicherheit annehmen, daß weitere derartige Katastrophen
in ungleichmäßigen Zeitabständen in der Zukunft geschehen
werden, die nächst vielleicht innerhalb von 10 Millionen Jahren.Ob
die Menschheit und ihre Zivilisationen überleben werden?Welche
Richtung wird die Evolution nach Abtreten der Menschheit nehmen?
Durch
die Entwicklung eines akustischen „Cat-Scans“ der Erde könnte man
bald derartige aufsteigende Basaltblasen einige Zeit vor deren Durchbruch
durch die Erdoberfläche erkennen, auch den Durchbruchpunkt dann genau
vorhersagen.Wie wird sich die Menschheit
in einer solchen Zeit der erwarten Riesenkatastrophe verhalten?