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2.3.
Was bleibt einer Theologie
im Universum?
Die Weltraumforschung
brachte folgende Erkenntnisse, die eine gültige christliche Theologie nicht
übersehen kann:
*
Die Erkenntnis der Dynamik
aller kosmischen Strukturen.
*
Die Auffindung von Planeten in
anderen Sonnensystemen und die daraus resultierende Erwartung intelligenten
Lebens an manchen anderen Stellen des Kosmos.
*
Die Erkenntnis vom dem in einer
abschätzbaren Zeit zu erwartenden völligen Vergehen aller Strukturen des
Kosmos.
Was man danach erwarten
möchte ist nicht nur eine im Wesentlichen anthropozentrische Theologie, die unser
eigenes Leben erklärt, sondern eine Theologie, die der Beobachtung der Schöpfung
entspricht – einschließlich des sich entfaltenden Universums mit Milliarden von
Galaxien und der natürlichen Evolution in der Sphäre des Lebens – und
entsprechend dem Wissen von der Vergänglichkeit von Allem.
Was bleibt und was nicht
in einer allgemein gültigen, „kosmischen“ Theologie?
Bezüglich des schöpfenden Gottes und der Existenz:
-
Vor allem bleibt die Erkenntnis
von einer transzendentalen Essenz als Ursprung der Schöpfung. Es ist anzunehmen, daß hochentwickelte
Weltraumzivilisationen auch den kausalen Ursprung der Schöpfung – ihrer
Struktur und ihrer Evolution – als eine transzendentale Vorstellung jenseits
alles Verstehens und als absolut abstrakt sehen werden.
-
Das Sehen dieses Ursprungs als
„transzendental“ entspricht einem „religiösen Glauben an Gott“. In dieser Sicht der Schöpfung liegt auch die
Anerkennung der überall geltenden naturgesetzlichen Ordnung, der verbleibenden
Freiheitsgrade, der evolutionären Dynamik der Welt und ihres zukünftigen
Vergehens.
-
Ein Plan, eine „leitende Hand“
oder Ziel kann in der Evolution der Schöpfung nicht gesehen werden – lediglich
eine vorwärtsgerichtete, dynamische, kombinatorische Weiterentwicklung nach den
jeweiligen Ausgangs- und Randbedingungen. So
bestimmt nicht das Ende, sondern der jeweilige Ausgangspunkt die Weiterentwicklung.
-
Solch eine Entwicklung geschah
nur zu oft in einer Richtung, die uns unverständlich und sogar grausam
erscheint (siehe die Phasen der Stagnation, der Fehlentwicklungen, der
Katastrophen in der Natur, der Krankheiten, Parasiten, Raubtiere und dem
Aufstieg und Verfall von Zivilisationen). [1]
-
Eine „leitende Hand“ müßte
nicht nur verantwortlich gesehen werden für alles, was geschehen ist
– positiv und negativ – sondern auch für alles was ungeschehen blieb, nicht
verhindert wurde oder widersprüchlich war.
Bezüglich der „Seele“:
-
Die Vorstellung einer
funktionierenden „Seele“, abgelöst vom Hirn, der Biochemie und der
Energieversorgung des Körpers, ist ein Widerspruch zu den Erkenntnissen der
Wissenschaft bezüglich des Funktionierens der Schöpfung.
-
Die erkannte Dynamik und
begrenzte Lebensdauer unseres Sonnensystems und das zu erwartende völlige
Vergehen des gesamten Universums läßt ein statisches Ablagern etwaiger „Seelen“
auf unbegrenzte Zeit nicht erwarten.
Bezüglich Sünde, Gericht und Erlösung:
o
Die Anerkennung einer
allgemeinen „Sündigkeit“ aller hochentwickelter Wesen im Weltraum und vor allem
eine derart zentrale Betonung dieser Sündigkeit, wie im irdischen Christentum,
ist nicht vertretbar [2].
o
Der glaube an ein Jüngstes
Gericht – eine ewige Existenz von „Seelen“ im Jenseits voraussetzend – ist aus der
kosmischen Sicht des Wesens des Universums auch nicht haltbar – auch nicht im
Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen Verständnis der Begriffe von
Persönlichkeit, Verhalten und geeigneter Behandlung von Kriminalität. [3]
o
Eine Vorstellung von Gott als
eines „rächenden“ Richters – anstelle Seines Eingreifens zur heilenden
Charakterveränderung des mangelhaften Individuums (siehe vorhergehende Fußnote
und die vorherige Diskussion zum menschlichen Charakter) – ist unwahrscheinlich.
o
Gottes Befangenheit zwischen
Gesetzgebundenheit (aber Annahme eines Ersatzes für die Bestrafung) und Gnade
(in Anerkennung für Glauben) – so daß gnädiges Vergeben von Schuld ohne den
Opfertod Christi nicht möglich gewesen wäre, im Glauben an Christus aber
zugesichert ist – ist nicht vertretbar.
o
Daß sämtliche hochentwickelte
Wesen im Weltraum, die nicht Christen sind, von Gottes Gnade ausgeschlossen
bleiben – selbst wenn sie beliebig moralisch „gut“ sind – ist auch nicht
vertretbar (und verlangt schon auf Erden erneute theologische Klärung in
unserer pluralistisch-globalen Gesellschaft).
o
Die Anerkennung der Möglichkeit
der Substitution eines Schuldigen bei der Bestrafung durch einen Anderen
(Christus) ist nicht vertretbar. Das Anerkennen
von Opfern von unschuldigen Individuen zur Beschwichtigung eines emotional
„zürnenden Gottes“ ist bei hochentwickelten Weltraumzivilisationen nicht zu
erwarten.
Bezüglich Christi:
o
Die Vorstellung eines
„eingeborenen Sohnes Gottes“ ist bei dem erhöhten Konzept des erschaffenden
Geistes „X“ oder Gottes, das sich aus dem Anblick des Weltraumes durch alle Milliarden
von Jahren ergibt – von Schöpfung durch Evolution, erwartetes Verblassen und
schließlich zur Auflösung – zu sehr vermenschlicht.
o
Der qualvolle Tod des
„Gottessohnes“ jeweils einmal in allen Zivilisationen des Weltraumes, Millionen
mal, immer wieder und wieder, wie diese astronomisch gesehen sich in einer
Zeitverteilung bilden, ist nicht zu erwarten.
o
Die Sonderstellung der Erde als
einziger Platz mit „sündigen“ Lebewesen und auch als einzigen Platz im
Universum, der „erlöst“ werden mußte und wurde, ist ebenso unwahrscheinlich.
o
Was bleibt ist die Vision
Christi als von einem, der erkannte, was das menschliche ethische Potential ist
und was die ethische Ausrichtung seien sollte, der die Einzelnen und die menschliche
Gesellschaft im Laufe der Evolution folgen sollten. Mit seiner Lehre und seinem Ausharren bis in
den Tod hat Christus uns eine geistige Befreiung gebracht, um nicht unsere
Schwächen, fehlgeleiteten Gesetze und ungeeignete Strukturen der Gesellschaft
zuzulassen. Er hat uns die Ermutigung
gebracht, die uns ermöglicht einem anderen Weg zu höheren Werten zu folgen.
Bezüglich des weiterwirkenden, persönlichen Gottes:
-
Ein in die Evolution der
Schöpfung eingreifender, weiterwirkender Gott wird naturwissenschaftlich nicht
gesehen – weder im unbelebten, physikalischen Kosmos, noch in der biologischen
Evolution mit ihren überall feindlichen Gegebenheiten und ihrer Grausamkeit (siehe
obige Ablehnung der „Intelligent Design Theory“).
-
Der Glaube an ein Weiterwirken
Gottes müßte alles Leiden, Böse und Nutzlose in der Welt dann auch Gott
anlasten.
-
Das Thema des Leidens, des
Bösen, Nutzlosen oder Schädlichen in der Welt ließe einen anrufbaren, aber zu
oft in dieser Welt nicht helfenden Gott nur im Zusammenhang mit dem Glauben an
ein kompensierendes Jenseits verstehen, das, wie oben gezeigt, aber nicht
erwartet werden kann.
-
Damit entfällt für den Menschen
das Sich-Verlassen auf helfende, schicksalswendende Kräfte von Außen. Die Menschen sind besser beraten, selbst die
Verantwortung und Initiative zu übernehmen, diese Welt, in der wir nun einmal
leben, zu verbessern – auch für „unsere Nächsten“ – darin Christi Lehre
folgend.
Bezüglich des Platzes des Menschen in der Welt:
-
In der Sicht der schöpfenden
Urkraft und der Schöpfung liegt auch eine Sicht des Einzelgeschöpfes an seinem
eigenen Platz in diesem Kosmos. Somit muß
auch jeder Mensch seine Begrenztheit akzeptieren. Der Mensch kann aber auch seine einzigartige
Chance und Verantwortlichkeit sehen – zu persönlicher Weiterentwicklung und Wachsen, zu
beitragender Wirkung und Dienen und zur Freude an der Schönheit der Schöpfung.
-
Wenn dabei uns Menschen (und
vielleicht auch manchen anderen Wesen und Zivilisationen im Weltraum) die
emotionale Ebene der Liebe, Freude und des Empfindens für Schönheit ermöglicht
ist, kann uns dieses zu einem weiteren Verständnis der Schöpfung (und damit der
schöpfenden Urkraft, „Gott“), sowie weiterer Lebensentwicklung helfen. Es mag im Weltraum auch andere Dimensionen
darüber hinaus geben.
Was bleibt?
Es bleibt die Hinwendung des Menschen auf den transzendentalen Kern unserer
Schöpfung und die Bewunderung von deren Größe, um die eigene Stellung und das eigen
Schicksal hinzunehmen. In diesem
„Glauben an Gott“ kann des Menschen Geist Ruhe finden und Kraft zum
Handeln.
Aus dem Verständnis der Schöpfung bleibt für den Menschen die Aufgabe zur
persönlichen Weiterentwicklung und zur Weiterentwicklung seiner Zivilisation,
hoffentlich zu einem lichtvolleren Konzept unserer eigenen Existenz und der
unserer Gesellschaft, aber zumindest zur Linderung des vielfachen, großen
Leidens in der Welt.
Es bleibt für den Menschen die Selbstverantwortlichkeit für das, was auf
Erden im Rahmen des Möglichen geschieht.
So bleibt die Verpflichtung zum persönlichen Einsatz der höheren Wesen
zur Verbesserung nicht nur der eigenen Lebensbedingung, sondern vor Allem auch zur
Hilfe an Andere, die Gesellschaft und die Umwelt.
Es bleibt mit dem Leid auch die Möglichkeit der Freude – es bleibt trotz
all des Bösen auch die Möglichkeit der warmen Resonanz mit anderen Wesen – im
Geben und Empfangen.
Der Mensch und andere höhere Wesen im Weltraum sind die einzigen
Existenzphänomene, die selber beobachtend und selbstverantwortlich wirkend am
Kosmos teilnehmen. Darin liegt ihre
besondere Bedeutung und ein erfüllender Sinn ihres Lebens.
Uns und unserer Zivilisation ist nur begrenzte Zeit der Existenz
zugeteilt. Was immer wir tun können,
sollten wir lieber jetzt tun.
Christus hat uns den ethischen Weg gewiesen, unser Leben zur „Freude
Gottes“, des Schöpfers, zu erfüllen.
[1] Mit anderen Worten, man kann nicht den Glauben
an einen Plan oder ein Ziel der Schöpfung bestätigen, vor allem nicht auf den
Menschen und seine Werte zu, da die Leere und unwirtliche Wildheit der
Schöpfung sowie die großen Zeitabstände von Entwicklungsschritten und die
wiederholten Auslöschungen den Menschen wie auch andere intelligente Wesen im
Weltraum eher als zufällige, ständig gefährdete, vorübergehende Erscheinung an
jeweils einem der wenigen, geeigneten Punkte des Kosmos zeigen.
Dabei ist das Prinzip des
kombinatorischen Aufbaus der Existenz mit dem Auftreten von dann immer neuen
Phänomenen – vom physikalischen Materieaufbau zu den Strukturen des Weltraums,
zum Leben, zur Sensorik, geistigem Bewußtsein, dem selbstverantwortlichen Geist
und den Werten der Menschen und anderer höherer Wesen – wohl das größte Wunder
der Schöpfung.
Ebenso sind dabei die
Nutzlosigkeit, das viele Leiden und die vielen Zerstörungen wertvoller Dinge
und Wesen bis zur letztlichen Auflösung des Kosmos wohl das größte Rätsel.
[2] Man kann also in einer kosmischen
Sicht nicht die Ansicht vertreten, daß Gott in der Evolution alle
hochentwickelten Wesen des Weltraums mit „Erbsünde“ behaftet und verdammungswürdig
habe entstehen lassen, so daß sie nur dank der Gnade des überall im Kosmos
einmal stattfindenden, stellvertretenden Opfers seines „eingeborenen“ Sohnes
(denn ohne dieses Opfer wäre ja nach unserer Theologie keine Erlösung) und nur,
wenn sie an diesen Sohn glauben, „erlöst“ werden können. Ein solches Opfer müßte Millionen mal,
verteilt über das Alter des Universums, immer wieder stattgefunden haben, zu
den Zeiten jeweils wie kosmische Zivilisationen entstanden sind.
Aber die Annahme einer Sonderstellung
der Erde als einzigen sündhaften oder einzigen erlösten Platz im Universum ist
auch nicht vertretbar.
[3]
Kriminelles Verhalten beruht im Allgemeinen auf naturgegebenen Anlagen
oder Umwelteinflüssen, denen man mit Umerziehung, Veränderung des kulturellen
Umfeldes, Therapie oder Isolation der auf Dauer Unverantwortlichen
entgegentritt. In wenigen Fällen mag
eine Bestrafung die Abschreckung vor Wiederholung oder Nachahmung durch andere
bezwecken. Das geht aber nur, wenn die
Abschreckung unmittelbar, durchgehend und öffentlich sichtbar erfolgt. Daher kann ein scharfes Urteil Gottes und
Bestrafung erst in einem Jenseits nach Tausenden von Jahren nicht verstanden
werden – und hat auch wenig Einfluß auf die Kriminellen dieser Welt.
Was
bleibt, ist die Hoffnung der unglücklichen Menschen diese Welt in ihrem oft so
mühebeladenen Leben auf eine bessere, zukünftige Welt.