5.Abschließende
Zusammenfassung
Der
Beitrag der Astrophysik und Weltraumforschung zur christlichen Theologie
beruht auf drei grundsätzlichen Erkenntnissen:
*Die
Erkenntnis der Dynamik aller kosmischer Strukturen in ihrem Entstehen,
ihrer ständigen Entfaltung, aber auch ihres letztlich zu erwartendenvölligen
Vergehens.
*Die
Erkenntnis der Dualität zwischen der Konstanz aller Naturgesetze und
der grundsätzlichen Unbestimmtheit und dem Wahrscheinlichkeitscharakter
vieler Phänomene der Natur.
*Dazu
kommt die Erkenntnis des „kombinatorischen Prinzips“, wonach die Zusammensetzung
einfacherer Bausteine der Natur zu immer wieder neuen Erscheinungsformen
mit neuen Dimensionen ihrer Eigenschaften führt, von Zeit zu Zeit
und im Maße wie die Ausgangs- und Randbedingungen das anzeigen.So
bestimmt also nicht das Ende, sondern der jeweilige Ausgangspunkt die Weiterentwicklung.
*Die
Auffindung von Planeten in anderen Sonnensystemen und der daraus resultierenden
Erwartung intelligenten Lebens an manchen anderen Stellen des weiten Kosmos.
Dazu
kommen die früheren wissenschaftlichen Erkenntnisse, die noch nicht
von der Theologie erfaßt worden sind:
*Die
natürliche Evolution und im Besonderen ihre Wirkungsart, die eine
natürliche Welt ohne Mitleid, Fairneß oder Gerechtigkeit erkennen
läßt.
Schließlich
muß man auch die Ergebnisse neuerer Forschung berücksichtigen:
*In
der Geophysik:Der Ausbruch weitreichender
Auslöschungen der natürlichen Welt in ungleichmäßigen
Zeitabständen.
*In
der Hirnforschung:Das Verständnis
der menschlichen Fähigkeit für mentale Vorstellungen, Denken,
Intuition, Urteil und Emotionen, wie sie von der Neurophysiologie und Biochemie
des Hirnes erklärt werden.
Daraus
ergibt sich die Notwendigkeit für folgende Korrekturen des theologischen
Denkens:
*Die
Vorstellung des Ursprungs der Schöpfung mit ihren Feldern im Vakuum,
fein abgestimmten Naturgesetzen, Konstanten und Prinzipien, ob „X“ oder
„Gott“ oder wie auch immer genannt, kann nur absolut abstrakt und noch
großartiger gesehen werden, als in den traditionellen Religionen.
*Ein
Sinn oder Plan ist aus der Dynamik des Kosmos und der Natur aber nicht
zu erkennen, die ständig Strukturen höherer Komplexität
nach den gegebenen Anfangs- und Randbedingungen in ungleichmäßigen,
oft großen Zeitabständen zufällig und kombinatorisch entstehen
läßt und dann Vieles in Teilen und letztlich alles wieder völlig
vernichtet.
*Ein
Weiterwirken der Ursprungskraft in der Entwicklung des Kosmos ist nur in
der Wirkung der natürlichen Kräfte, der Naturgesetze und des
kombinatorischen Prinzips zu sehen, aber nicht in willkürlichen Eingriffen.Eine
fortlaufende „intelligente Gestaltung“ kann nicht aus der Evolution der
Natur oder der Geschichte der Menschen bestätigt werden.Wenn
man nicht nur betrachtet, was geschah, sondern auch was nicht geschah und
was nicht abgewendet wurde, dann würde eine solche Sicht der „intelligenten
Gestaltung“ nicht zu einem kohärenten Bild der gestaltenden Kraft
führen, sondern zu einem chaotischen, widersprüchlichen und grausamen
Bild des angenommenen „Gestalters“.
*Damit
entfällt der einfache Glaube an einen frei weiterwirkenden oder das
menschliche Verhalten schon im Leben kompensierenden Gott, der sich auch
nicht aus der Beobachtung ergibt.
*Damit
entfällt auch der Glaube an einen auf persönliche Anrufe reagierenden
Gott, der sich auch nicht aus der allgemeinen Beobachtung vergangenen Leides
auf der Welt ergibt.
*In
Anbetracht des natürlichen Funktionierens des menschlichen Hirns kann
man ein Bestehen von irgendwelchen vom Menschen ablösbaren „Seelen“
nicht erwarten.
*In
Anbetracht des dynamischen und letztlich wieder völlig vergehenden
Kosmos kann man ein statisches „Jenseits“ für die unbegrenzte Aufbewahrung
irgendwelcher „Seelen“ nicht erwarten, damit auch nicht ein „Jüngstes
Gericht“ oder einen späteren Ausgleich für das irdische Leben.
Was
bleibt ist die größte Verehrung der Urkraft der Schöpfung
und die Notwendigkeit für die Nachfolge Christi in dessen ethischer
Lehre.
Die
Selbstverantwortlichkeit des Menschen für die Erfüllung seines
Lebens, die brüderliche Zuwendung zur Mit- und Umwelt und die Verantwortung
für die Zustände auf dieser Welt müssen stärker in
den Vordergrund treten.
Es
besteht die Notwendigkeit, die Stellung und die Rolle der Menschen und
möglicherweise anderer intelligenter kosmischer Wesenin
Bezug auf den Schöpfer und die Ausrichtung ihrer Leben in diesem Kosmos
neu zu formulieren.Dazu kann gesagt
werden:
*Der
Mensch und andere intelligente Wesen im Weltraum sind kleinste Randphänomene
in der Weite des Kosmos – aber mit Geist begabt, der die Welt umspannen
kann, mit Emotionen, aus denen sich ethische Werte ergeben, die in der
übrigen Natur fehlen und mit Empfindsamkeit für das Ästhetische.
*Der
Mensch und andere intelligente Wesen im Weltraum sind die einzigen Phänomene
der Schöpfung, die an der Dynamik des Kosmos beobachtend teilnehmen.
*Der
Mensch und andere intelligente Wesen im Weltraum sind auch die einzigen
kosmischen Phänomene, die ihre Selbstverantwortlichkeit und ihre eigene
Initiative nutzen können, um in den Lauf des Universums einzugreifen
– zumindest in dem engen Rahmen ihres jeweiligen Platzes.
*Daher
sind die Menschen und andere intelligente Wesen im Weltraum wohl beraten,
ihr spezifisches Potential innerhalb der Schöpfung anzustreben – in
Verfolgung ihres geistigen Potentials, in Verwirklichung ihrer ethischen
Werte und in freudiger Wahrnehmung ihrer Umwelt.
*Die
reale Vorraussetzung der eigenen Existenzgestaltung ist die Absicherung
der Grundnotwenigkeiten in Überleben, Gedeihen, Fortpflanzung, Sorgen
für die Nächsten und Erhaltung der eigenen Menschlichkeit in
Freude am Leben.
*Die
Bildung größerer Ressourcen und einer Machtposition gestattet
größere Wirkung in Verfolgung der höheren Ziele, lenkt
aber gleichermaßen von diesen ab.
*Damit
ist der höhere „Sinn“ der Existenz der Mensch und andere intelligente
Wesen im Weltraum in ihrem jeweiligen Leben und beim Aufbau ihrer Zivilisationen:
oDas
Wachsen durch Erweiterung von Erkenntnis, Entwicklung von Fähigkeiten
und Entfaltung der Persönlichkeit.
oDas
Dienen und die Fürsorge zum Wohle der Mitmenschen, der Gesellschaft
und der Umwelt in Annahme einer Verantwortung in Mitempfinden – in Verfolgung
der menschlichen Werte.
oDas
kulturelle Engagement und die Freude an den Phänomenen der Schöpfung
–
alles dieses in einem dem Menschen zustehenden Maße.
6. Unser Weg
-Das
Leben ist für viele Menschen ein schwerer Weg mit wenig Hoffnung.Aber
wenn wir unseren Blick erheben können, kann uns Dankbarkeit erfüllen,
daß wir dieses großartige Universum wahrnehmen und daran in
dem kleinen Gebiet unserer eigenen irdischen Existenz für eine begrenzte
Zeit teilnehmen können.
-Diese
Vision des Ursprungs und der Schöpfung gibt uns die Inspiration, uns
immer wieder aufzuraffen, unser Leben verantwortungsvoll und so gut wir
dieses können zu erfüllen.Diese
Vision kann uns auch Trost und Friede geben, die Begrenzung unseres Lebens
und unsere letztliche Rückkehr zu dem, woher wir kamen, anzunehmen.
-Wie
alle Natur nach Leben, Wachstum und Entfaltung strebt, so müssen auch
wir uns im Leben fortwährend behaupten und dabei unsere eigenen charakterlichen
und geistigen Fähigkeiten weiter lernend, suchend und reifend entfalten,
stets strebend, das Bestmögliche zu vollbringen.Dabei
sollen wir unsere Fähigkeiten nicht nur zu Eigennutz oder zum Schaden
anderer mißbrauchen.
-Erst
im menschlichen Zusammenwirken können wir unser größtes
Potential entwickeln, stets Licht und Wärme gebend und empfangend
– in der Liebe unserer Familie, in der fürsorgenden Hilfe für
Bedürftige, in hingebungsvollem Dienst an der Gemeinschaft und in
Verantwortung für die Umwelt.Wir
müssen uns aktiv und in Anteilnahme um die Linderung des vielfältigen
Leides und in Fairness um die Verbesserung der Lebenschancen für alle
bemühen.Dabei sollen wir nicht
die gesellschaftlichen Kräfte nur für persönliche Macht
oder zum Schaden anderer mißbrauchen.
-Uns
wurde die Gabe der Wahrnehmung von Schönheit in Natur und Kunst zuteil.Aber
wir sollen nicht die Macht des subtilen Einflusses auf menschliche Empfindsamkeit
nur zum eigenen Vorteil oder etwa zur Schädigung ethischer Werte mißbrauchen.
-Wir
sind dankbar für Harmonie in unserer Welt und brauchen die Gemeinschaft
mit Gefährten auf unserer Wanderung durch die Existenz – zu unserer
Ermutigung, Trost im Leid, Zurückhaltung schädlichen Verhaltens
und zu koordinierter Wirkung auf eine gute Entwicklung der Gesellschaft.Aber
wir sollen solche Gemeinschaften nicht für wortreiche und geschickte
Dominanz oder für hierarchische Macht mißbrauchen.
Sinn
und Ausrichtung im Leben:
-Von
Natur gegeben ist das Verlangen nach Überleben, Fortpflanzung und
Gemeinschaft.Aber es ist nicht gut,
vom Leiden anderer Vorteil zu erlangen, und es ist auch nicht gut, Kinder
zu bekommen, wenn die Fürsorge für diese nicht gewährleistet
ist.
-Berechtigt
ist das Streben nach zusätzlicher Sicherheit oder Mitteln zur Wirkung,
nach Anerkennung durch andere, nach stärkendem Ausruhen von Mühsal
oder nach Freude.Aber es liegt kein
Wert in der Ansammlung von Mitteln ohne deren sinnvolle Verwendung, dem
Gewinnen von Ruhm ohne Verdienst oder in frivoler Unterhaltung.
-In
der Selbstentfaltung im geistigen Vollbringen oder nützlichen Fähigkeiten,
in fürsorglicher Hingabe zur Unterstützung Anderer und in der
Teilnahme an der ästhetischen Gestaltung der menschlichen Umwelt sehen
wir die höchsten Ziele des menschlichen Seins.Diese
finden ihre Belohnung in den tiefsten menschlichen Empfindungen und im
Wohl für die menschliche Gemeinschaft und Umwelt.
A.M.D.G.